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Soll im Ochsenkopf nachverdichtet werden?

Kleinere Gärten, mehr Wohnungen: Baugenossenschaft will darüber diskutieren - Siedlungsgemeinschaft und Bezirksbeirat wehren sich

Artikel in der RNZ von Denis Schnur

Mehr Platz für Wohnungen - oder Bestandsschutz für die großen Gärten? Um diese Frage wird gerade in der Siedlung Ochsenkopf in Wieblingen gestritten. Denn die Baugenossenschaft Neu Heidelberg, der ein Großteil der alten Siedlungshäuser gehören, wird eines davon abreißen, um Platz für drei - etwas größere - Neubauten zu schaffen. Weil dadurch die angrenzenden Gärten kleiner werden sollen, regt sich Widerstand beim Wieblinger Bezirksbeirat und der Siedlungsgemeinschaft Ochsenkopf. Sie befürchten, dass das nur der Anfang ist und die Siedlung ihren Charakter als Gartenstadt auf Dauer verliert. Denn tatsächlich gibt es die Idee, dort noch weiter zu verdichten.

Zunächst wird dies nur auf einem Grundstück geschehen - im Wieblinger Weg 39/41. Statt acht Wohnungen sollen dort insgesamt 21 Einheiten in modernen Neubauten entstehen. "Barrierefrei und gefördert", betont Uwe Linder, der Vorstandsvorsitzende von Neu Heidelberg. Den entsprechenden Bauantrag habe man schon im April eingereicht. Die künftigen Mieter würden rund acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zahlen. Ähnlich sei man 2016 bereits beim Nachbargrundstück vorgegangen, wo man ebenfalls den Alt- durch drei Neubauten ersetzt habe und gemeinsam mit den Stadtwerken ein neues Mieterstrommodell mit Solaranlagen umgesetzt habe. "Wir haben damals schon kommuniziert, dass wir das auch bei dem Nachbargrundstück tun werden."

Wie beim östlich gelegenen Vorgängerprojekt soll der zusätzliche Wohnraum vor allem dadurch entstehen, dass die Häuser ein drittes Vollgeschoss statt eines Schrägdaches bekommen - aber eben nicht nur. Denn um das Vorhaben zu realisieren, muss die Genossenschaft die Gärten des westlich angrenzenden Grundstücks verkleinern. Statt bislang 35 Meter werden es dann nur noch 23 bis 25 Meter sein. "Da bleiben immer noch großzügige Gärten", betont Linder.

Die Siedlungsgemeinschaft und der Bezirksbeirat kritisieren das Vorhaben und fürchten, dass es nicht bei diesem Projekt bleiben wird und der Ochsenkopf weiter verdichtet wird. Dass man darüber nachdenke, bestreitet Linder auch nicht und verweist auf das "Handlungsprogramm Wohnen", das der Gemeinderat gerade erst beschlossen hat. Darin heißt es unter anderem, dass in den bebauten Stadtteilen behutsam nachverdichtet werden soll, um mehr Wohnraum zu schaffen. Und das sei doch dort sinnvoll, wo es zentral gelegene großzügige Flächen gebe.

Beschlossen sei noch überhaupt nichts, betont Linder. "Aber beim Dialogforum Wohnen der Stadt im Oktober wollen wir den Ochsenkopf zur Diskussion stellen." Wenn es dort das klare Signal gebe, nicht weiter zu verdichten, "dann ist es so. Aber wenn nicht, haben wir Optionen". Schließlich seien einige Gärten bis zu 45 Meter lang.

Geht es nach dem Bezirksbeirat, bleiben sie das auch: Das Gremium hatte jüngst den Gemeinderat aufgefordert, einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre für den Kern der Siedlung zu beschließen (die RNZ berichtete), um so eine weitere Verdichtung zu verhindern. Denn würden weitere Gärten versiegelt, wäre das "aufgrund der hohen bioklimatischen, ökologischen und sozialen Bedeutung vollkommen unvertretbar", betont Christina Kreckel-Arslan. Die Grüne Bezirksbeirätin, die selbst in der Siedlung lebt, ärgert sich zudem darüber, dass die Anwohner bislang nicht informiert worden seien: "Es kann nicht sein, dass die Genossinnen und Genossen im Ochsenkopf als Letzte von diesen Planungen in Kenntnis gesetzt werden." Das sieht auch Rolf Freymüller, der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft Ochsenkopf so: "Aus unserer Sicht ist es ein Unding, dass die betroffenen Anwohner als Letzte von dem geplanten Vorhaben erfahren werden und keine Möglichkeit haben, ihre Bedenken in die Diskussion einzubringen."

Foto:
Die beiden alten Siedlungshäuser in der Bildmitte werden demnächst abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Ähnlich ist die Baugenossenschaft Neu Heidelberg bereits im Jahr 2016 bei dem Nachbargrundstück (oben im Bild) vorgegangen.